Tillandsien
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Wie alles begann ...

Angefangen hat die tropische Bekanntschaft vor Jahren (1998) mit einer Tillandsie aus einem Gartencenter. Von dem, was ich damals gekauft habe - nur um eine kleines Geschenk mit etwas Grün zu bereichern -, wusste ich weder, dass es sich um eine Tillandsie handelte, noch auf welchen Namen dieses Gewächs hörte. Dem Beschenkten machte diese Kombination aber große Freude, so dass ich mir selber nach einem weiteren Besuch im Gartencenter drei oder vier dieser Figuren-Tillandsien-Kombinationen für die Fensterbank mit nahm. Was es war, wusste ich aber immer noch nicht.

Durch Zufall machte ich dann einige Zeit später die Bekanntschaft eines Tillandsien-Sammlers, der in seinem Lokal bei einer Veranstaltung eine Reihe seiner sehr schönen Pflanzen ausgestellt hatte. Ich erkannte bei einer Art - wie ich jetzt weis, eine Till. ionantha - eine Ähnlichkeit mit einer meiner aufgeklebten Pflanze. Wir kamen ins Gespräch und so ich lernte ich in Joachim Marx, einen kompetenten Bromelien- und Tillandsien-Sammler, kennen.

Ich bekam von ihm eine Reihe von Tillandsien mit dem Hinweis geschenkt: "für Anfänger genau richtig, da kann nichts schief gehen". Was dann so falsch auch nicht war: nachdem ich mich nun seit einigen Jahren mit Tillandsien befasse, ist mir erst eine Art eingegangen (diese Feststellung aus den Anfangsjahren gilt aktuell leider nicht mehr - es sind im Laufe der Zeit doch einige Exemplare mehr geworden - aus den unterschiedlichsten Gründen). Aber meine Sammlung hat sich auch um einiges vergrößert.

Doch um allen Irrtümern zuvor zu kommen: als Sammler im eigentlichem Sinne bezeichne ich mich noch immer nicht. Das zeigt sich schon daran, dass ich die Bezeichnung von rund ¾ meiner Pflanzen nicht durch Blickkontakt erkenne, sondern immer noch auf's Schildchen schauen muss.

Aufbinden

Ich habe aber gelernt, dass man die Pflanzen zur besseren Pflege an Rebstöcken entweder mit dem Kopf nach oben oder nach unten mit in Streifen geschnittenen Nylonstrümpfen aufbindet oder manchmal auch eintopft.

Rebstöcke bekommt man in der Regel aus den hier in der weiteren Umgegend ausreichend vorhandenen Weinbergen. Fragt man die Weingärtner freundlich nach stillgelegten Hängen und bittet um die Erlaubnis, dort einige gut gewachsene Äste "ernten" zu können, gab es bisher bei dieser Vorgehensweise nur hilfsbereite Weingärtner.

Mutwilliges und unerlaubtes Schädigen von noch intakten Weinbergen sollte man tunlichst unterlassen!

Vor Verwendung der natürlichen Rebstockäste wird auf Schädlingsbefall, insbesondere auf Holzwurmbefall, geachtet (leider sieht man dies erst genau nach dem Entfernen der Rinde!). Diese Teile wandern auf die Sammelstelle für Grünabfall. Dann werden die Äste auf handliche Teile abgelängt, wobei die spätere Verwendung Berücksichtigung findet. Bestimmte Teile eignen sich gut zum Hinlegen, andere machen sich gut beim Aufhängen und einige wenige müssen so dicht "bepflanzt" werden, dass vom Holz möglichst wenig zu sehen ist.

Anschließend wird die Rinde entfernt, oben und unten ein Loch gebohrt, das den Blumendraht zum Aufhängen und Anhängen aufnimmt. Dann kommt alles in einen großen Plastikbeutel fest verpackt für ca. 3 Tage in den Gefrierschrank. Mit dieser rohen Methode dürfte auch der letzte Rest nicht sichtbaren "Lebens" verstummt sein. Es folgen ca. 4 Wochen Austrocknung im Heizungskeller. Danach ein ca. eintägiges Bad in flüssigem Bienenwachs zur Konservierung des Holzes, um die Holzfäule möglichst lange hinaus zu zögern. Zum Schluss werden die Hölzer zur Entfernung überflüssigen Bienenwachses abgebürstet zur natürlichen Austrocknung mehrere Tage möglichst im Freien aufgehängt.

Zu Nylonstrümpfen kommt man sicher auf sehr unterschiedlichen Wegen. In meinen Fall ist mir meine Frau behilflich. Sie entdeckt immer dann eine Laufmasche, wenn ich gerade mal wieder Material zum Aufbinden benötige.

Dann werden die Strümpfe mit einer Schere quer zur Beinrichtung in ca. 1 bis 1½ cm breite Streifen geschnitten. Diese Streifen eignen sich dann hervorragend zum Aufbinden der Tillandsien. Das Material ist sehr widerstandsfähig und "gammelt" nicht so schnell.

Haltung und Pflege

Allgemein

Wie schon kurz erwähnt, werden meine Tillandsien überwiegend an Rebstöcken aufgebunden (einige wenige sind auch eingetopft). Dabei wird auf die Herkunft keine Rücksicht genommen, sondern je nach Form des Rebstockes ein Arrangement, also verschiedene, aber optisch zu einander passende Pflanzen aufgebunden. Beispiel nebenstehend (auch wenn nun das Herz des echten Sammlers aufheult, mir gefällt's so!)

Das Aufbinden erfolgt überwiegend mit Streifen von Nylonstrümpfen. Dabei wird so gebunden, dass an der Ansichtsseite von dem Strumpf möglichst wenig zu sehen ist.

In seltenen Fällen wird auch geklebt. Das gilt immer dann, wenn die Pflanze zu klein oder für einen Nylonstreifen keinen ordentlichen Haltepunkt bietet - so beispielsweise die Till. ionantha. Ich verwende dann Heißkleber, der vor dem Anbringen der Pflanze soweit abgekühlt ist, das er erstens die Pflanze nicht schädigt, aber zweitens noch ausreichend klebt. Den richtigen Zeitpunkt muss man durch probieren raus finden.

Haltung

Steigt die Nachttemperatur im Frühsommer stetig über 10° C, werden die Pflanzen an einen Gitterdraht auf den Balkon aufgehängt. Dabei wird auf Licht und Luft geachtet. Dort verbleiben sie bis die Temperatur im Spätherbst stetig unter 10° C sinkt.

Ist in den Übergangszeiten des Frühjahrs und des Herbstes die Tagestemperatur über 12° C, werden die Pflanzen tagsüber ebenfalls auf den Balkon gebracht.

Die kalten Zeiten, also immer wenn das Thermometer unter 10° C sinkt, verbringen die Pflanzen hinter den Fensterscheiben des Wohnzimmers über der Heizung. Die Zimmerwärme wird elektronisch immer auf 21° C gehalten (bis auf die kurzen Zeiten der Durchlüftung).

Pflege

Winterzeit

Während der Winterszeit dürfen meine Tillandsien zwei bis drei mal wöchentlich duschen. Dazu werden sie in der Duschkabine aufgehängt und mit lauwarmen Leitungswasser ausgiebig abgebraust. Nach ca. 2 - 3 Stunden kommen sie dann wieder an ihren angestammten Platz zurück.

Alle vier Wochen wird leicht mit Tillandsiendünger gedüngt. Dazu wird der Dünger nach Vorschrift mit den entsprechenden Teilen warmen Wassers in einer Druckluft-Sprühflasche vermischt und die Pflanzen damit besprüht.

Sommerzeit

In den Sommermonaten bzw. wenn die Pflanzen auf dem Balkon hängen, wird täglich mindestens einmal, bei sehr warmen Tagen auch zweimal mit der Druckluft-Sprühflasche kräftig gesprüht. Der zweite Sprühgang erfolgt so rechzeitig, dass die Pflanzen niemals nass in die Nacht gehen.

Das Düngen erfolgt in den Sommermonaten alle zwei Wochen.

Jederzeit

Heranwachsende Triebe werden bei Bedarf nachgebunden. Abgestorbene Pflanzenteile werden vorsichtig entfernt. Kindel mit entsprechender Größe werden ausgelöst und neu aufgebunden. Es wird auf Schädlinge wie ungebetene Mitbewohner diverser Art, Pilzbefall sowie Fäulnisstellen abgesucht.

Platzprobleme während der Winterzeit

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Von "vorne" Von "hinten"

Es ist jedes Jahr das selbe. Bereitet man das Einräumen vor, stellt man verzweifelt fest, dass sich die Anzahl der Gewächse wieder um einiges vermehrt hat bzw. sich einige der Pflanzen auch erheblich vergrößert haben. Die Fenster sind zu gehangen, man sieht kaum noch einen Sonnenstrahl. Also was tun?

Es musste etwas her, was viel Gewächs auf wenig Platz vereinigt. Nach etwas kreativem Nachdenken wurde die Lösung geboren: der Tillandsienbaum. Nix tolles, aber seeehr praktisch! Mittlerweile gibt es zwei Stück von der Sorte.

Der rohe Tillandsienbaum besteht aus Drahtgeflecht mit einer Maschenweite von 2 cm. Dies Drahtgeflecht wird zu einer Rolle mit einem Ø von 6 cm gedreht, auf 80 cm abgelängt (passt in der Höhe grad ins Fenster) und zusammen gebunden. An diesem Maschenrohr haben 42 Tillandsien Platz gefunden. Die Platzersparnis gegenüber einer einzelnen Aufhängung (natürlich mehrere untereinander) beträgt ca. 50%.

Durch den großen Innendurchmesser ist der ganze Konstrukt auch relativ luftig.

Generelle Probleme über die Winterzeit

Die ein oder anderen leichten Probleme während der Überwinterungsphase in der Wohnung gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Aber die Ausfälle hielten sich in überschaubaren Grenzen. Leider sieht es in diesem Jahr (2007/2008) etwas anders aus. Bisher sind bereits acht Pflanzen eingegangen. Dabei ist der Vorgang immer gleich. Die Pflanze wird von der Spitze bis zur Wurzel braun bis grau und im Ballen ist sie matschig bis hohl. Die Blattscheiden sind tief innen mit einer weißen Schicht überzogen, die wie Mehl oder Schimmel ausschaut.

Ich hoffe, dass ich alle befallenen Pflanzen aussortieren konnte. Auf alle Fälle werde ich das Problem weiter verfolgen.

Allgemeines

Wie schon eingangs beschrieben, haben Tillandsien glatte Blattränder.  

Graue Tillandsien

Der Lebensraum der grauen Tillandsien-Arten ist am der Boden bzw. auf dem Fels und in den sonnendurchfluteten oberen Bereich der Bäume.

Grüne Tillandsien

Die grünen Tillandsien-Arten brauchen ein feuchteres Klima und leben darum meistens mehr im unteren Teil der Wälder, also mehr im Schatten der Bäume.

Lebensweise

Tillandsien, meist wurzellose Pflanzen, decken ihren Wasserbedarf durch Nebel oder Regen über Saugschuppen mit denen die Blätter extrem dicht bewachsen sind. Je mehr Saugschuppen bzw. umso größer diese sind, umso grauer erscheint eine Pflanze. Sobald sich die Saugschuppen mit Wasser gefüllt haben, erscheint das darunter liegende grüne Blattgewebe wieder und die Pflanze scheint wieder zu "ergrünen". Nach der Abtrocknung durch Sonne oder Wind "ergrauen" sie dann wieder. Die nötigen Mineralstoffe kommen also auch nur so in den Kreislauf der Pflanze.

Unterfamilien

Zur Unterfamilie der Tillandsien gehören so mehr oder weniger bekannte Namen wie: Catopsis, Guzmania, Vriesea sowie noch weitere ca. 6 hier nicht genannte Arten.


Mein bisheriges Wissen habe ich leider nicht durch die Begehung der natürlichen Heimat der Tillandsien erworben, sondern es ist ganz profan angelesen. Die verwendete Literatur ist angegeben. Insbesondere sind natürlich die vielfältigen Angebote im Internet sehr hilfreich gewesen. Sehr lehrreich waren und sind auch Besuche in diversen botanischen Gärten, insbesondere in Stuttgart und Heidelberg, sowie die kompetente Beratung der dort jeweils Verantwortlichen. 

Hervorzuheben sind insbesondere auch die regionalen und nationalen Treffen der Deutschen Bromelien Gesellschaft mit den dort gehaltenen sehr interessanten Referaten.

Geblüht hat im Laufe der Zeit schon einiges; leider habe ich erst sehr spät mit dem Fotografieren der blühenden Gewächse angefangen, so dass einige sehr schön blühende Arten bisher leider nicht im Bilde festgehalten wurden.

Alle Bilder zeigen meine eigenen Gewächse, sind also auch von mir selbst fotografiert (Fotoamateur!) worden. Werden ausnahmsweise einmal fremde Pflanzen abgebildet, wird dezidiert darauf hingewiesen.